Ulmen 2015

Ralph hat uns zu seinem Standort in die Schule für Diensthundewesen der Bundeswehr nach Ulmen eingeladen und wir sind gerne gekommen.

Am Tag der offenen Tür konnten wir uns an unterschiedlichen Stationen über die Ausbildung und Versorgung der Diensthunde der Bundeswehr informieren. Die Kameraden des Standortes haben sich sehr viel Mühe gegeben. Vielen Dank dafür.

Die Bundeswehr betreibt eine Klinik für ihre Diensthunde am Standort Ulmen. Hier werden alle Hunde vor ihrem Dienstantritt untersucht und während der gesamten Dienstzeit von der Ausbildung bis zur "Rente" bei Bedarf behandelt. Hunde, die im Auslandseinsatz verletzt werden kommen nach der Erstversorgung vor Ort ebenso hierhin, wie Soldaten in die humanmedizinischen Einrichtungen der Bundeswehr. Neben mehreren sehr gut ausgestatteten Behandlungsräumen gibt es zwei OP's und eine Zahnmedizinische Abteilung. Sollten Hunde irgendwelche ansteckenden Krankheiten haben, werden sie in der Quarantänestation aufgenommen und versorgt.

Diensthunde gehen nach ihrer aktiven Zeit entweder mit dem Hundeführer nach Hause, was der Regelfall ist oder bekommen in Ulmen ihr "Gnadenbrot". Das bedeutet: Die Hunde leben hier auf dem weitläufigen Gelände in umzäunten Zwingern mit entsprechendem Auslauf und werden durch die Tierpfleger versorgt. Jeder Hund, auch die in Privatbesitz, werden weiterhin und unentgeltlich bis zu ihrem Lebensende medizinisch durch die Klinik versorgt.

Neben der geöffneten Klinik war auch einiges an "technischem Gerät" ausgestellt und wurde ausgiebig erklärt. So beispielsweise die Transportpanzer Fuchs und Dingo.  

Natürlich haben unsere Damen die Gelegenheit genutzt und sich die Fahrzeuge erklären lassen (hier der Fuchs). Interessant hierbei, der Soldat war im Einsatz in Afghanistan und konnte so einiges aus seiner Erfahrung im Einsatz berichten.

Schade nur, dass das Maschinengewehr im Turm nicht montiert war.

Vom nahegelegenen Fliegerhorst war ein Löschfahrzeug der bundeswehreigenen Feuerwehr vor Ort. Hierbei handelt es sich um einen "Panther". Die gleichen Fahrzeuge werden auch an zivilen Flughäfen wie z.B. Düsseldorf genutzt und gehören zu den modernsten Geräten auf diesem Gebiet.

Doch nun zu dem Teil, weswegen wir hauptsächlich gekommen sind. Den Diensthunden der Bundeswehr und deren Ausbildung. Aufzucht und Ausbildung unterscheiden sich nicht wirklich von der unserer Sporthunde. Einige Diensthunde stammen aus eigener Zucht, jedoch reicht dies nicht um den Bedarf der Truppe zu decken. Es werden jährlich entsprechende Hunde zugekauft. Mit 16 Monaten sind die Tiere in der Regel fertig ausgebildet und einsatzbereit.

Das Training umfasst neben der klassischen Unterordnung auch Schutzdienst und Fährtensuche. Nach einer allgemeinen Grundausbildung werden die Hunde entsprechend ihren Anlagen spezialisiert für den Wach- und Schutzdienst, die Personensuche oder als Sprengstoffspürhund weiter ausgebildet.

In der klassischen IPO sind unsere Sporthunde m. E. nach besser trainiert und zeigen auch exaktere Ausführungen der einzelnen Übungen. Was den Diensthund auszeichnet sind die unterschiedlichen Einsatzsituationen, die diese Tiere meistern. 

Die Hunde gehen in jeder Situation auf die Beute los und lassen sich auch durch Fahrzeuge oder sonstiges nicht von ihrem Ziel ablenken. So stellt der Hund mögliche Verdächtige oder zieht sie aus Verstecken wie Höhlen oder eben aus Fahrzeugen heraus. 

Natürlich haben sich Hans-Günter und Ralph mit den Ausbildern und Hundeführern ausgetauscht und sich einiges erklären lassen. 

Nach den Vorführungen und Erläuterungen zur Ausbildung der Diensthunde kam der Höhepunkt des Tages. Eine Einsatzübung unter möglichst realistischen Bedingungen.

Die Lage:

In einem Strassenzug kommt es zu Ausschreitungen. Mehrere bewaffnete Angreifer haben ein verdächtiges Fahrzeug in einem bewohnten Gebiet abgestellt und verwickelten eine Patroullie in ein Feuergefecht.

Der Auftrag:

Unterstützen der Kameraden, Ausschalten der Angreifer und Sichern des verdächtigen Fahrzeuges.

Gesagt getan. Die "Angreifer" schiessen wie wild mit Platzpatronen in der Gegend rum, da rollt der Radpanzer Fuchs um die Ecke. Diesmal mit montiertem und geladenem Maschinengewehr und erwiedert das Feuer. Die Täter flüchten in ein angrenzendes Gebäude. Die Besatzung des Panzers "sitzt ab", sichert das Gelände und versorgt zunächst einen verletzten Kameraden.

Anschliessend wird das Gebäude gestürmt, allen voran der Hund. Nachdem die Gruppe das Gebäude betreten hat flüchtet ein Täter durch ein Fenster, verfolgt durch den Hund. 5 Meter und 2 Sekunden später ist die Flucht beendet. Der Hund hat den Täter zu Boden gezogen und die nachfolgenden Soldaten können ihn ohne Gefahr festsetzen.

Der Diensthundeführer und sein Hund untersuchen nun das Fahrzeug nach Sprengstoffen.

Übung beendet, Publikum und wir natürlich auch, begeistert.

Alles in Allem war dies ein gelungener Tag. Wir haben einen guten Einblick bekommen, wie die Hunde der Bundeswehr ausgebildet werden, wie sie versorgt werden und wie man sich die Einsatzbedingungen und die Vielfallt der Aufgaben der Hundeführer und ihrer vierbeinigen Kameraden vorstellen muss. 

Selbstverständlich macht ein solcher Tag neben aller Begeisterung auch nachdenklich. Schließlich geht es hier letztendlich nicht um Übungsszenarien sondern um die Vorbereitung auf echte Bedrohungslagen, die jeden Tag für unsere Soldaten zum bitteren Ernst werden können. Natürlich kann und muss man den Sinn und Unsinn von Kriegseinsätzen ausdiskutieren und sich gut überlegen, inwieweit man sich entsprechend engagieren sollte. Nur bitte nicht auf dem Rücken der Soldaten. Das von uns demokratisch gewählte Parlament (also unser aller Vertreter) entscheidet über den Einsatz der Bundeswehr. Ist die Entscheidung für einen Einsatz gefallen so haben die Kameraden, die letztlich für uns in den Einsatz gehen, die bestmöglichste Ausbildung, das bestmöglichste Gerät, die beste Versorgung und vor allem unsere uneingeschränkte Unterstützung und unseren vollen Respekt verdient. Und nicht weniger. Die Verantwortung für den Einsatz trägt die Regierung, das Parlament und damit ein jeder von uns - das gehört eben auch zu einer Demokratie dazu!

Danke Ralph für die Einladung und die tolle Begleitung an dem Tag. Es hat uns ausgesprochen gut gefallen.