Klassische Konditionierung

Lernen durch Klassische Konditionierung wurde erstmals von Iwan Petrowitsch Pawlow beschrieben. Pawlow beobachtete, dass einige der Hunde, mit denen er experimentierte, um Näheres über die Speichelsekretion herauszufinden, schon vor Beginn des Experimentes Speichel absonderten. Dieser Speichelfluss konnte nicht auf den Geruch oder den Anblick des Futters zurückgeführt werden. Um dies zu analysieren, ließ Pawlow in einem Versuch zeitgleich mit dem Vorsetzen von Futter einen Glockenton ertönen. Nach einigen Wiederholungen floss der Speichel bei diesen „Pawlowschen Hunden“ beim Glockenton, obwohl kein Futter gegeben wurde.

Definition: Bei der klassischen Konditionierung wird ausgelöstes Verhalten (=Reflexe) auf einen vormals unbedeutenden Auslösereiz hin konditioniert.

Beispiel Pawlow: Nach ausreichend häufiger gemeinsamer Darbietung (Kontiguität) wird der vorher neutrale Reiz (= Glockenton) durch Assoziation zu einem bedingten Auslösereiz, der alleine fast dieselbe Reaktion (= Speichelfluss) auslösen kann, wie der unbedingte Reiz (= Futter), mit dem er gekoppelt wurde. Aus der unbedingten Reaktion (= Speichelfluss) auf das Futter wurde eine bedingte Reaktion auf den Glockenton.

Bei derartiger Konditionierung spielt das Timing eine entscheidende Rolle. Wird der neutrale Reiz (Glocke) innerhalb von 0,5 Sekunden mit dem unbedingten Reiz (Futter) gekoppelt, bedarf es keiner zusätzlichen Motivation aus der Umwelt.

Als mögliche Konditionierungsreize kann all das aufgefasst werden, was ein Hund über seine 5 Sinne aufnehmen kann.

Chemische Reize
Zu den chemischen Sinnen zählen der Geschmackssinn (als Nahsinn da die Rezeptoren in direkten Kontakt mit der Nahrung kommen) und der Geruchssinn (als Fernsinn der auch über größere Entfernungen herangetragen wird).

Physikalische Reize
Mechanisch (Druck-, Bewegungsreize) Tast- und Gehörsinn sowie die Wellenlängen (Licht) also der Gesichtssinn.

An dieser Stelle seien noch vier Phänomene aufgeführt, die in der klassischen Konditionierung auftauchen und für die praktische Ausbildung von Hunden relevant sind.

Phänomen 1: Extinction / Löschung

Wenn der Bedingte Auslösereiz (Glocke) in 50% oder mehr der Fälle nicht mehr mit dem Unbedingten Reiz (Futter) gepaart wird, verliert er wieder an Bedeutung. Die Reaktion wird langsam gelöscht.

Das hat in der Ausbildung zum einen den Effekt, dass der Hund Übungen verlernt, zum anderen aber auch den positiven Effekt, dass unerwünschte Reiz-Reaktions-Muster ebenfalls wieder verschwinden können, wenn sie keine Bestätigung mehr erfahren.

VORSICHT: Spontane Erholung
Ist eine Reaktion „gelöscht“, kann sie nach einiger Zeit spontan wieder auftreten.

Phänomen 2: Überschattung

Weden zwei Zeichen, wenn auch nur unbeabsichtligt zur gleichen Zeit gegeben werden, tritt eine Überschattung auf. Der Hund legt dann die Priorität selber fest. Dabei geht stehts das Sichtzeichen vor Hörzeichen.

Als Beispiel: Der Hundeführer ruft den Hund mit dem Hörzeichen "Hier" rein und lässt ihn vorsitzen. Auf das Hörzeichen "Fuß" soll er nun die Grundposition am linken Bein einnehmen. Unmerklich nimmt der Hundeführer aber dabei den linken Arm zurück, während der Hund "einparkt".

Auf den Hinweis des Trainers diese "unerlaubte Führerhilfe" zu lassen, kommt der Hund nicht mehr auf die Seite.

Phänomen 3:  Blockierung

Ist ein Verhalten bereits mit einem bdingten Auslösereiz verknüpft worden, kann das Trainieren eines anderen bedingten Auslösereizes blockiert sein.

Phänomen 4: Gegenkonditionierung

Emotionen eines Hundes können geändert werden.

Der Hund wird an eine Situation herangeführt, die bei ihm z.B. Angst auslöst.
In dem Moment, wo das Angstsignal auftaucht erhält der Hund Futter.
Im Laufe der Zeit verbindet der Hund mit dem Angstauslöser das Futter und nicht mehr die Angst.