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Gewöhnung und Sensitivierung

In der instrumentellen Konditionierung können zwei Effekte auftreten, deren man sich bewusst sein sollte.

Gewöhnung (lat.: Habituation) setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich völlig.

Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des Individuums in der Regel wieder zu (siehe dazu auch "spontane Erholung").

Sensitivierung. Im Gegensatz zur Gewöhnung setzt hier eine Verstärkung der Reaktion auf bestimmte Reize ein. Dies gilt vor allem bei Reizen, die überlebenswichtig für das Individuum sind.

Kampf oder Flucht

In den meisten Fällen genügt bereits ein Zeitintervall von mehreren Sekunden zwischen den Reizdarbietungen, um den Sensitivierungseffekt (also eine zunehmende Stärke) der Reaktion aufzuheben.

In der Wissenschaft unterscheidet man verschiedene Formen der Habituation. Diese sind in der Hundesportpraxis in verschiedenen Situationen durchaus relevant.

Erlernen von Irrelevanz

Bestimmte Reize führen zu keiner Reaktion, da sie wahrgenommen werden, ohne eine Bedeutung zu haben.

Beispiel: Tierarztbesuch
Wird der Hund im Vorfeld an die Tierarztpraxis und den Behandlungstisch gewöhnt, reagiert er im „Ernstfall“ entspannt auf die Behandlung. Der Hund verbindet mit der Tierarztpraxis keine negativen Erfahrungen

Latente Hemmung

Bestimmte Reize verlieren an Bedeutung, da sie ständig wahrgenommen werden, ohne eine Konsequenz zu haben.

Beispiel: Das Hörzeichen „Komm“
„Komm“ wird im täglichen Sprachgebrauch sehr häufig genutzt, ohne das der Hund gemeint ist bzw. der Hund erfährt keine Konsequenz auf sein Handeln. Der Hund weiß nicht wann er gemeint ist.

Löschung

Erfährt ein Verhalten keine Reaktion mehr aus der Umwelt, so stirbt es aus.

Achtung:
Bevor das Verhalten vollends verschwindet, zeigt der es sich noch einmal in erhöhter Intensität  (Extinction Burst) Spontane Erholung. Dies darf auf keinen Fall bestätigt werden.

Desensibilisierung

Hat der Hund eine Phobie, z.B. agressives Verhalten gegenüber Artgenossen, so ist es möglich nicht nur das Verhalten zu ändern, sondern auch die Phobie zu "heilen". Dies dauert jedoch sehr lange und bedarf eines 100% konsequenten Verhaltens des Hundeführers.

Im ersten Schritt wird der Abstand zum Auslösereiz (dem anderen Hund) so groß gewählt, dass keine Angstreaktion entsteht. Der Hund wird mit Futter für sein angstfreies Verhalten bestätigt. Nun erfolgt eine Annäherung an den angstauslösenden reiz in kleinen Schritten. Auch hier wird der Hund ständig mit Futter bestätigt. Das Futter muß interessanter sein, als der angstauslösende Reiz. Ist dies nicht mehr der Fall, Übung sofort abbrechen und wieder auf eine sichere Entfernung gehen.

Durch diese Annäherung erlernt der Hund schrittweise, das die Anwesenheit des Reizes an sich völlig unbedeutend für ihn ist.

Alternativ kann eine Ersatzhandlung trainiert werden. Im Beispiel der Angstreaktion anderen Hunden gegenüber z.B. das herankommen zum Hundeführer und das Fuß laufen. Diese Ersatzhandlung kann und muß dann belohnt werden.

Aus der klassischen Konditionierung (Konditionierung eines ausgelösten Verhaltens (=Reflexe) auf einen vormals unbedeutenden Auslösereiz) kommen demgegenüber Ansätze, bei denen der Hund auf einen Auslösereiz (z.B. Auflegen einer Hand) hin entspannt. Der Hund kann in dieser Situation nicht anders als zu entspannen.